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The day that paralyzed my life

The day that paralyzed my life

#ThrowbackThursday

Mit 19 war ich sehr unsicher und ich habe jede Menge Zeit in mein Aussehen gesteckt. Vor den Herbstferien 2003 lief aber Alles prima. Mir fiel die Schule leicht, ich ging wöchentlich zur Tanz- und Theater AG und war mit mir weites gehend mal zufrieden. Doch das änderte sich als ich am Samstag, dem ersten Herbstferientag aufwachte und meine linke Gesichtshälfte nicht bewegen konnte. Erst wusste ich gar nicht was wirklich los war. Ich war noch im Halbschlaf, aber als meine Oma es sah, sind wir sofort ins Krankenhaus. Ich kann mich noch erinnern wie unangenehm es war im Bus nach Mainz zu sitzen. Wir hätten auch ein Taxi nehmen können aber damals herrschte bei uns, insbesondere für mich, die Devise Augen zu und durch. Zu allem Überfluss wurden wir dann auch noch in ein anderes Krankenhaus geschickt. In der Uniklinik Mainz angekommen wurde ich sofort für 10 Tage aufgenommen. Nach einem Tag mit Transfusionen und Cortison wollte ich nur nach Hause. Mir ging es übel und meine Depression fing an. Doch ich blieb. Meine Freunde und Familie haben mich besucht aber es war mir unangenehm.

Die Diagnose war Periphere Fazialisparese, Ursache unbekannt aber es bestand Verdacht auf einen Herpes Virus. Durch die Lähmung hatte ich keinen Geschmack auf der linken Seite der Zunge und essen war eh ein Problem. Zudem konnte ich mein linkes Auge nicht schließen. Besonders klasse im windigen Herbst. Was mich aber am meisten störte war die optische Seite. Meine linke Gesichtshälfte hing herunter. Ich kam mir vor wie ein Monster und nicht mehr wie ein 19 jähriges Mädchen. Ich schreibe bewusst Mädchen, denn damals fühlte ich mich noch lange nichts als Frau.

Da immer noch Ferien waren als ich aus dem Krankenhaus kam, hatte ich nichts verpasst. Ich ging nach den Ferien wieder zur Schule und war absolutes Gesprächsthema. Dabei wollte ich nur versinken. Denn mir war zwar nicht mehr ständig übel, aber ich hatte durch das Cortison das ich immer noch nehmen musste zugenommen. Ich fühlte mich nun also auch noch fett.

Für alle Anderen war schnell wieder alles beim Alten. Für mich noch lange nicht. Denn mein Gesicht war bis auf Miniatur Bewegungen immer noch gelähmt und die Ärzte konnten mir nicht sicher sagen ob es je wieder normal wird. Und so verstanden meine Freunde und Familie nicht, dass ich auch Monate später immer noch damit zu kämpfen hatte. Ich war mitten in einer Depression aber, Augen zu und durch. Irgendwann glaubte auch ich den Stimmen der Anderen, das ich mich nur anstelle. Denn mir ging es nicht besser als ich mein Gesicht 4 Monate nach dem Schock wieder weitestgehend bewegen konnte. Ich hatte keine Lust mehr auf Tanz und Theater, habe aber weiter mitgemacht, wenn auch nur halbherzig. Fast ein Jahr später hat es dazu geführt das ich aus der Tanz AG flog nach 7 Jahren weil ich den einen Tanz nicht konnte. Dazu muss man wissen das zu Anfang jedes Schuljahres aussortiert wurde bei den Neuen. Wer gut genug war konnte bleiben. Ich wusste damals nicht das ich auch getestet wurde, fühlte mich sicher und gab mir nicht genug Mühe. Schließlich lag meine Lähmung schon lange hinter mir. Kein Grund auf Rücksicht. Das ich eine Depression hatte wollte niemand akzeptieren und so richtig begriff ich es damals auch nicht. Das Wort Depression fiel nie. Ich war einfach faul und demotiviert. Stell dich nicht an. Am Ende bin ich irgendwie doch geblieben in der AG, aber es ging an dem Tag etwas verloren. Heute weiß ich das die AGs mein Rückzugort waren, mein Anker. Doch nun trieb ich ohne Halt im Meer. Es hat noch ein ganzes Jahr gedauert bis ich aus dem Tief wieder raus war.

Die Bilder sind alle vor oder nach meiner Gesichtslähmung entstanden. Währenddessen wollte ich keine Fotos von mir machen lassen. Bis heute habe ich jedes mal Angst das es wieder passiert wenn mir meine Ohren schmerzen oder die Lymphknoten darunter. Die Ärzte sagten damals das es sehr selten ist das ein Mensch diese Krankheit zweimal im Leben bekommt. Aber selten heißt nicht nie.

Heute vermisse ich die Jahre in den AGs und bereue es das ich 2 Jahre davon nicht richtig dabei war mit dem Kopf.


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