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Mama

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#ThrowbackThursday

Meine Mutter war ein sehr spezieller Mensch. Seit ich denken kann litt sie unter Epilepsie und hatte einen Wasch- und Putzzwang. Was sehr oft zu Konflikten führte als ich ein Teenager war. Wie erklärt man jemanden das wenn man nach der Schule nach Hause kommt, nicht auf Toilette gehen kann weil die eigene Mutter bereits geputzt hat und niemand ins Bad darf bevor sie duschen geht.

Ich hatte bereits einen Beitrag über sie veröffentlicht, jedoch wurde dieser ihr nicht gerecht. Meine Mutter hatte ihre Probleme zwar schon vor meiner Geburt, aber sie waren nicht immer so ausgeprägt. Sie ging mit 18 in die USA, heiratete dort, ließ sich 2 Jahre später wieder scheiden und machte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Dann traf sie jedoch meinen Vater und 3 Jahre später war ich da. Zwischen uns herrschte immer eine gewisse Distanz. Erst als Ärzte Jahre später Autismus bei ihr diagnostizierten, wurde mir bewusst weshalb sie so war wie sie war. Ein fester Tagesablauf und Ordnung waren ihr wichtig. Ihr Schrank (ein alter Wohnzimmer Schrank meiner Großeltern aus den 60ern) war ihr Heiligtum und in ihr Zimmer durfte niemand rein ohne ihre Erlaubnis. Sie sammelte Nagellacke und Kosmetika und ihr Vorrat an Putzmitteln reichte für ein Jahr in einem normalen Haushalt. Sie hat sich nach der Trennung von meinem Vater sehr zurückgezogen und fast nur mit meiner Oma und mir Kontakt. Wobei die Beziehung zu ihrer Mutter immer von Konflikten bestimmt war.

Jahre später, als ich bereits erwachsen war und nicht mehr in Mainz wohnte, entspannte sich unser Verhältnis. Wir telefonierten täglich und sie hatte immer ein offenes Ohr. Ich vermisse unsere Telefonate. Überhaupt vermisse ich Alle ihre Macken. Wir hatten kein letztes richtiges Gespräch. Das letzte mal das wir miteinander sprachen war ein normal Gespräch am Abend. Zudem Zeitpunkt hätte wohl keine von uns gedacht das es das letzte mal ist. In den Monaten nach ihrem Tot hörte ich ständig Songs von Genesis im Radio oder anderswo. Das war ihre Musik die sie, als ich noch bei ihr wohnte, immer beim Putzen hörte. Dazu kamen noch Bands wie Santana und Chicago. Ihre Lieblingsfarbe war lila und sie aß gerne Bienenstich. Was witzig war, da sie auch eine Phobie vor Wespen und Bienen hatte. Im Sommer war auch immer eine Königsrolle im Gefrierfach. Am Anfang des Monats in die Stadt zu fahren war für sie ein Highlight und weh man kam ihr da in die Quere.

Ich musste früh selbstständig werden und oft hat es mir gefehlt keine Mutter zu haben auf die man sich verlassen kann. Dafür hatte ich meine Oma und auch erst nach ihrem Tod habe ich erst gemerkt, das ich doch immer eine Sonderrolle bei ihr hatte. Das ich viel mehr durfte und sie einige Probleme bei mir nicht hatte. Ich hoffe das sie die Freiheit gefunden hat die sie sich immer gewünscht hat und das sie Frieden gefunden hat. Ich war nie gläubig aber ich hoffe das es einen Ort gibt der einem Himmel gleich kommt. Denn der Gedanke sie eines Tages wieder zusehen, hat mich nach ihrem Tod aufrecht erhalten. Sie war 63 Jahre alt und auch wenn es normal ist das die eigenen Eltern vor einem sterben, wurden uns viele Jahre auf der Erde genommen.

Der name Monika stammt aus dem griechischen und bedeutet die Einzigartige. Das war sie, Einzigartig.

 

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