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Trauer – Die ersten 100 Tage

In den letzten Monaten habe ich oft Sprüche wie „Es wird Alles wieder gut“, „Irgendwann sterben wir Alle“ und „Jetzt ist aber genug mit Trauern“ gehört. Und nein, es wird nicht Alles wieder gut. Der Mensch den man verloren hat kann man nicht wieder zurück bringen. Es ist die harte Realität. Man fährt mit vollem Tempo gegen eine Wand. Aber auch wenn das Auto kaputt und man selbst verletzt ist, sind es Wunden die wieder heilen oder mit denen man lernen muss zu leben. Das ist einfacher gesagt als getan und ich verstehe nur zu gut das man sich am Anfang nicht in der Lage sieht dieses Leben zu akzeptieren. Man möchte auf die Pause Taste drücken und zurückspulen. Es ist ein Problem das man nicht lösen kann. Und es schmerzt. Es gibt Tage an denen man nicht mehr aufhören kann zu weinen und solche an denen man nach außen hin funktioniert, innerlich es einen aber zerreißt. Doch Trauern heißt nicht nur Trübsal. Wer trauert hat auch Phasen in denen man lachen kann.  Jeder empfindet Trauer anders und dabei geht es nicht immer nur um Personen die man verloren hat. Trauer tritt auch auf wenn man ein geliebtes Tier verliert oder z.B. Abschied von einem Lebensabschnitt nehmen muss und es keinen Weg zurück gibt. Auch das Ende eine Freundschaft kann sich anfühlen wie Trauer nach einem Todesfall.

Trauer ist wie der Ozean voller Wellen. Anfangs sind sie stürmisch, aber sie werden kleiner mit der Zeit.

Wer meinen Blog verfolgt, hat vielleicht mitbekommen das ich ende Juni ein Familienmitglied verloren habe. Die Woche in der sie starb, war die merkwürdigste die ich je erlebte. Ich war dabei als sie ging. Rückblickend bin ich erstaunt das ich nicht zusammengebrochen bin. Es war das erste Mal das ich einen Menschen sterben sah. Zwei Tage später ist Otis plötzlich am frühen Morgen verstorben. Einen Tag später hatte ich Geburtstag und weitere 2 Tage später musste Gizmo eingeschläfert werden (er hatte einen inoperablen Tumor). Zusammengefasst habe ich in 6 Tagen ein Familienmitglied und 2 Ratten verloren und hatte zwischendrin auch noch Geburtstag.

Der Verlust hat ein tiefes Loch in mein Herz gerissen und obwohl ich mich mit Trauer auskenne, war es dies mal wesentlich härter. Inzwischen sind die ersten 100 Tage rum. Für mich war das im Kopf immer ein Abschnitt den ich schaffen muss. Ich habe mich daran festgehalten um die Beerdigung zu überstehen und die Wohnung aufzulösen. Meine Oma sagte mal das das erste halbe Jahr am schlimmsten ist. Man wacht morgens mit dem Gedanken auf und man hat noch keine neue Routine. Also fällt einem der Verlust ständig auf. Und sie weiß wovon sie redet! Sie hat 2 Töchter und ihren Mann verloren.

Oft wird von den 5 Trauerphasen Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz gesprochen. Meine Erfahrung war anders. In den ersten Tagen war es ein Dauerschleife. Ständig schoss es mir wieder in den Kopf. Dieser Schmerz war nicht nur psychisch, sondern machte sich auch physisch bemerkbar. Es fühlte sich wie ein Stich zwischen die Rippen an. Ich konnte mir nicht vorstellen ohne sie zu leben. Schließlich kannte ich sie mein ganzes Leben. Immer wieder fielen mir Dinge ein die ich noch sagen wollte. Während der Wohnungsauflösung hatte ich so viele Fragen die ich ihr gerne gestellt hätte.

So it’s true, when all is said and done, grief is the price we pay for love.
E.A. Bucchianeri, Brushstrokes of a Gadfly

Aber was hilft bei Trauer? Jeder hat wahrscheinlich seine eigenen Methoden oder Wege wie man mit der Trauer umgeht. So etwas kann man nicht lernen. Mir hat geholfen das ich auch Tage für mich hatte, dann aber auch wieder raus gegangen bin wenn die Trauer zu viel wurde. Anfangs fiel es mir schwer die Wohnung aufzulösen. Ständig hatte man sehr persönliche Gegenstände in der Hand und am liebsten hätte man Alles aufgehoben. Zur Wohnungsauflösung wird es aber noch einen extra Beitrag geben. Wichtig ist aber auch das man sich Hilfe bei z.B. Ärzten holt wenn man das Gefühl hat nicht mehr aus der Trauer rauszukommen oder wenn es einem zu viel wird.  Ich habe euch hier noch ein paar Links und Videos für euch.



Es ist offensichtlich das ich keine Expertin bin und das all meine Erfahrungen subjektiv sind. Ich bin auch noch immer mittendrin. Es gibt gute und schlechte Tage. Ich wollte mit diesem Beitrag bewusst warten bis der der Stress in Mainz vorüber ist, und es wird nicht der einzige Beitrag zu dem Thema bleiben.

Wenn ihr Erfahrungen mit Trauer gemacht habt, könnt ihr sie gerne in die Kommentare schreiben!

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